Indiebookday 2016 – New In(dies)

Indiebookday 2016 Ausbeute

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, was es mit dem Indiebookday auf sich hat und ein paar lohnenswerte Bücher aus Independent-Verlagen vorgestellt – und jetzt möchte ich euch natürlich auch zeigen, welche Bücher bei mir neu eingezogen sind und warum. Es sind fünf Bücher aus fünf verschiedenen Verlagen geworden.

 

DasHündischeHerz
Michail Bulgakow – Das hündische Herz

Novelle. Erschienen 2016 bei der Büchergilde Gutenberg. Neuübersetzung von Alexander Nitzberg. Illustriert von Christian Gralingen.

Die Anschaffung dieses Buchs war gesetzt, seit ich es im Büchergilde-Magazin erstmals gesehen habe. Der Klassiker in Neuübersetzung, mit fantastischen Illustrationen und in wunderbarer Ausstattung – für mich ein Muss. Ich freue mich sehr auf diese Novelle.

 

 

Danz_LangeFluchten
Daniela Danz – Lange Fluchten

Roman. Erschienen 2016 im Wallstein Verlag. 146 Seiten.

„Eine Abenteuergeschichte über die Abgründe des eigenen Ichs, eine moderne Legende – bildmächtig, geheimnisvoll, bezwingend“ (Klappentext): Damit hatten sie mich schon mal inhaltlich. Dann habe ich die Leseprobe angefangen; es geht los mit präparierten Amseln und abgeschnittenen Gänseflügeln. Jetzt will ich mehr von diesem skurril anmutenden Roman lesen, deshalb liegt der schmale Band nun hier. Und spätestens nach ‚Applaus für Bronikowski‘ und ‚Ein Brautkleid aus Warschau‘ schaue ich mir das Programm von Wallstein ganz genau an.

 

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Tomás González – Was das Meer ihnen vorschlug

Roman. Erschienen 2016 im mareverlag. Aus dem Spanischen von Rainer und Peter Schultze-Kraft. 160 Seiten.

Ich zitiere mal den Klappentext: „Solange sie denken können, hat ihr herrischer Vater sie gedemütigt und für nichtsnutzige Versager gehalten. Als ihr Boot beim Fischen in einen schweren Sturm gerät, bei dem der Vater über Bord geht, erkennen die Zwillingsbrüder eine zweifelhafte Chance.“ Ich erhoffe mir eine kammerspielartige (kann ja keiner einfach weggehen, so mitten auf dem Meer), intensive Geschichte.

 

Christoph-Simon-Spaziergaenger-Zbinden_small
Christoph Simon – Spaziergänger Zbinden

Roman. Erschienen 2010 im bilgerverlag. 186 Seiten. 

Das Programm des bilgerverlags habe ich schon seit einer Weile mit Interesse verfolgt, habe aber bisher nie etwas aus diesem Verlag gelesen. Heute ist mir dann in der Buchhandlung dieses Buch in die Hände gefallen – und da ich finde, dass der Indiebookday neben der Unterstützung unabhängiger Verlage auch dafür da sein kann, Neues zu wagen, habe ich Christoph Simons Liebesgeschichte um den leidenschaftlichen Spaziergänger Zbinden (dieser Name allein!) in den Buchbeutel gepackt.

 

9783932927935
Bettina Steinbauer – Das Unbehagen der Elsa Brandt

Roman. Erschienen 2015 im Solibro Verlag. 224 Seiten.

Schon lange schleiche ich um dieses Buch herum und habe schon viel Gutes darüber gehört und gelesen. Mich interessiert diese Geschichte um eine störrische Außenseiterin, die beständig ein Unbehagen gegenüber dem eigenen Leben verspürt und sich kompromisslos den grundsätzlichen Fragen stellt. Also war der Indiebookday ein willkommener Anlass, den Roman mitzunehmen.

 

Neugierige können sich auf allen Kanälen sozialer Medien unter dem Hashtag #indiebookday die Bücher anschauen, die heute gekauft wurden – als E-Book oder gedruckt, in der Buchhandlung oder online, vorbestellt oder spontan. Wie ist egal, Hauptsache indie.
Ich geh jetzt mal die Ausbeute der anderen anschauen.

Außer Ostern: Indiebookday 2016

Indiebookday 2016
„Es gibt viele kleine tolle Verlage, die mit viel Herzblut und Leidenschaft schöne Bücher machen. Aber nicht immer finden die Bücher ihren Weg zu den Lesern. Der Indiebookday kann da für ein bisschen Aufmerksamkeit sorgen.“

 

So wird das Anliegen des Indiebookdays auf der Homepage beschrieben. Diese Initiative zum „Feiertag des unabhängigen Verlegens“ wurden vom mairisch Verlag begründet und ist allmählich auch international bekannt geworden: Letztes Jahr gab es unter anderem auch Beiträge aus Polen, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Und damit der Indiebookday immer bekannter wird und die Aufmerksamkeit für besondere Bücher aus kleinen, unabhängigen Verlagen immer größer, geht es in diesem Jahr munter weiter.

Wie funktioniert das denn aber nun?

Sonja Graus, die ihr vielleicht von ihrem Literaturblog lust zu lesen oder von ihrem ganz neuen sketchnotesblog kennt, hat das besser und kürzer in einem Doodle erläutert, als ich es mit Worten je könnte. Ihre Sketchnote darf ich hier verwenden (Danke, Sonja!), um euch zu zeigen, was ihr tun könnt, um den Indiebookday zu zelebrieren:

Doodle Indiebookday © Sonja Graus

© Sonja Graus 2016

Eine sehr umfangreiche Liste mit unabhängigen Verlagen in Deutschland findet ihr hier (wenn ihr weit nach unten scrollt, auch für Österreich und die Schweiz) auf dem Hotlistblog. Der Hotlistblog ist sowieso eine sehr lohnenswerte Seite, um sich zu den Indies zu informieren.

Ideen für den Indiebookday

Seit Tagen, eigentlich schon seit der Leipziger Buchmesse, suche ich immer wieder nach lohnenswerten Titeln, um meinen Einkaufszettel für morgen zu füllen. Als ob das nötig wäre: Meine Liste ist sowieso schon so lang. Zu lang. Also, äh, gravierend zu lang.
Aber gibt es etwas Schöneres, als nach neuen Büchern und potenziellen Kandidaten für Lektüretrüffel zu suchen? Kaum, wenn ihr mich fragt. Deshalb will auch ich nicht mit meinen Ideen hinter dem Berg halten und euch wenigstens ein paar Bücher vorschlagen, die morgen in euren Buchbeutel wandern könnten.

Franziska Gerstenberg – So lange her, schon gar nicht mehr wahr

Gerstenberg_SoLangeHerPuuh. Zu diesem Buch sollte man nicht greifen, wenn man eh schon einen schlechten Tag hat. Eher, wenn man sich gewappnet fühlt, sich mit den Fallstricken des Alltagslebens auseinanderzusetzen. Dann wird man aber reich belohnt. Franziska Gerstenberg schafft es mit ihrer Erzählweise, die immer schmerzhaft nah der Perspektive der Protagonisten ist, die Atmosphäre erlebbar, die Nöte der Figuren fühlbar zu machen. Lange habe ich nicht so mitgelitten und mich gewunden – mit den Figuren und ihren hilflosen & erfolglosen Versuchen, mit sich, dem Leben und den anderen Menschen klarzukommen. Wie die Autorin das macht, ist einfach fantastisch und zeigt, was Sprache kann: Zwischendurch möchte ich mir die Augen zuhalten wie bei den gruseligen oder peinlichen Stellen im Kino. Geht aber nicht, dann kann ich nämlich nicht weiterlesen. Und das will ich. Stück für Stück, Erzählung für Erzählung, mit Lektürepausen, in denen ich mich völlig anderen Texten widme. Aber wenn ich dann wieder zu diesem Kurzgeschichtenband zurückkehre, bin ich immer wieder aufs Neue beeindruckt.
Mehr Informationen und Leseprobe auf der Verlagsseite von Schöffling & Co.

Lot Vekemans – Ein Brautkleid aus Warschau

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Zu diesem Debüt der als Theaterautorin bekannt gewordenen Niederländerin schreibe ich noch ausführlicher in der nächsten Zeit. Ich habe Lot Vekemans auf der Leipziger Buchmesse getroffen und mit ihr über die Entstehung dieses Buchs als Roman (eigentlich sollte es ein Theaterstück werden), die Figuren, Erzählperspektiven und lauter andere Dinge gesprochen.
Ich schlage vor: Ihr lest derweil schon mal das Buch, und wenn ich das Interview fertig abgetippt habe, tauschen wir uns aus. Deal?
Wieso ihr das lesen sollt? Also gut, in aller Kürze: Weil es um nichts Geringeres geht als um die Frage, welche Entscheidungen des Einzelnen sich wie auf das Leben der Menschen drumherum auswirken. Lot Vekemans erzählt die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven und zeigt virtuos, wie die Schicksale der einzelnen Figuren miteinander verknüpft sind. Und wieso gut gemeint nicht zwingend gut ist. Und dass jeder einzelne Mensch ganz schön viel im Gepäck hat, von dem er gar nicht weiß, dass es da ist – als blinder Passagier mit auf der Reise durch das eigene Leben, sozusagen.
Beim Wallstein Verlag findet ihr mehr zum Inhalt und könnt ins Buch reinlesen.

Sylvain Mazas – Dieses Buch sollte mir gestatten, den Konflikt in Nah-Ost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden  / Teil 1

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Ja, diese Buch aus dem Hause Mückenschwein heißt wirklich so. Sylvain Mazas forsch nach Parametern. Gleich auf der ersten Seite macht der Autor klar, worum es ihm geht:

„Glücklich sein ist das Ziel meines Lebens. Ich weiß es, weil ich einen Plan gemacht habe.“

Dieser Plan in Gestalt einer ausufernden Mindmap wird den Lesern nicht vorenthalten; er liegt dem Buch bei. Mit diesem Graphic-Novel-Reisetagebuch kann man die Suche nach dem individuellen Glück, aber auch nach Ansätzen zur Glücksfindung für die Menschheit an sich mitverfolgen – und sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Humorvoll und nachdenklich, mit einem besonderen Blick auf die Welt. Inzwischen gibt es einen zweiten Teil, der schon den Weg auf meinen Wunschzettel gefunden hat. Und ich hoffe, ehrlich gesagt, auf einen dritten: Mich würde nämlich sehr interessieren, wie Sylvain Mazas die aktuelle Weltlage sieht. Für eine ordnende Mindmap wäre ich da sehr dankbar. Hier mehr zum Buch

Wäre mein Klavier doch ein Pferd. Erzählungen aus den Niederlanden.

Wäre mein Klavier doch ein PferdDen Abschluss dieser Vorstellungsrunde macht eine gerade erschienene Anthologie aus der edition fünf. Sie versammelt Erzählungen niederländischer Autorinnen aus den letzten rund hundert Jahren und ist damit ganz wunderbar geeignet, um sich – zumindest für die eine Hälfte – auf den diesjährigen Ehrengast der Buchmesse, Flandern/die Niederlande, einzustimmen. Von Annie M. G. Schmidt über Margriet de Moor bis Maartje Wortel sind spannende Autorinnen versammelt, die „[…] die Grenze zwischen dem Ich und der Außenwelt aus[loten] und fragen, wo die Wahrung des Eigenen in Intoleranz mündet“ (Klappentext). Ich stehe noch am Anfang der Lektüre, empfehle den Band aber bereits jetzt, da ich einige Werke der versammelten Autorinnen bereits kenne & schätze und mir sicher bin, dass diese 15 Nahaufnahmen lohnenswert sind – und die Anthologie ein tolles verlegerisches Projekt ist. Details

So, ich hoffe, dass euch dieser Beitrag für den Indiebookday begeistern kann und ihr viele tolle Sachen entdeckt, auf die ihr ohne diesen Indie-Feiertag und die mediale Rundumbegleitung vielleicht nicht gestoßen wäret. Fündig werdet ihr bei Twitter, auf Facebook, Instagram und Co. – teilt eure Funde unter dem Hashtag #indiebookday.
Habt ihr schon Favoriten? Schreibt ihr auch was zum Indiebookday? Ich freue mich auf eure Kommentare und verlinke euch gern in der Liste unten.


Ich nehme mir jetzt mal ein Beispiel an Mara von Buzzaldrins Bücher und verlinke-linke-linke. Verschiedene aktuelle Beiträge zum Indiebookday findet ihr unter anderem hier:

54books – Buchvorstelllungen
Bibliothecaro – über den Indiebookday / binooki Verlag
binooki Verlag – Beitrag zum Indiebookday
Buchkolumne – Zehn Buchempfehlungen 
Buecherrausch – Buchvorschläge
Buzzaldrins Bücher – Verlags- und Wunschliste
danares.mag – Digitales zum Indiebookday
Herzpotenzial – Kurzvorstellung ausgewählte Verlage
lustauflesen.de – Buchvorstellungen
Miss Booknerd – Lektürevorschläge
Pinkfisch – Video mit Leseempfehlungen 

Wortgestalt – Indies im Bereich Kriminalliteratur
Zeichen und Zeiten – Besprechung ‚Winternovellen‘ anlässlich Indiebookday 

SIFISO MZOBE – YOUNG BLOOD

„Ich erlaubte mir einen luxuriösen Moment des Trauerns, dann schickte ich meine Träume in die Wüste, spuckte auf den Asphalt, ging nach Hause und zog mich um. Vusi und der Anruf, den 740i zu holen – diese Sekunde war der Übergang. Ich wählte Geld statt Freiheit.“

 

Mzobe_YoungBloodDer Roman ‚Young Blood‘ erzählt die Geschichte von Sipho, der in der südafrikanischen Township Umlazi aufwächst und kurz vor seinem 17. Geburtstag die Schule hinschmeißt, weil er da nichts lernt. Jedenfalls nichts, was ihn interessiert. Er lebt mit seinen Eltern und der kleinen Schwester zusammen in einem einfachen Haus, die Eltern arbeiten hart, um den Lebensstandard, den sie erreicht haben, zu erhalten. Der Vater hat sich irgendwann gegen die kriminelle Karriere entschieden und eine Autowerkstatt eröffnet. Sipho will mehr als in der väterlichen Werkstatt vor sich hin schrauben – er träumt von Geld, einem eigenen Auto – ein eindeutiges, wertvolles Statussymbol und eine stabile Währung in Umlazi. Sipho will was anderes machen, etwas, das ihn interessiert und ihm was bringt.

„Fast mein gesamter Freundeskreis bestand aus Township-Bewohnern in zweiter Generation. […] Meine Großeltern väterlicher- wie auch mütterlicherseits gehörten zur letzten Generation derjenigen, die ihr gesamtes Leben am selben Ort verbracht hatten. Die Zeiten änderten sich, und zwar rasant. Selbst ich als Buschmechaniker schwor mir, nicht im Township zu enden, geschweige denn im Haus meines Vaters.“

Und dann taucht Musa auf, Siphos alter Kumpel aus der Wellblechsiedlung, dem „Getto im Getto“. Musa war länger weg, wohl irgendein Business in Johannesburg, jedenfalls hat er es zu was gebracht. Musa hat ein teures Auto. Immer genug Geld. Er macht Geschäfte mit den richtigen, den entscheidenden Leuten. Partys, Drogen, Mädchen. Gangsterleben. Und Sipho kriegt seine Chance, und Sipho steigt ein. Er kann ja mit Autos umgehen, und das ist eine geschätzte Fähigkeit in Umlazi. Es gibt da eine Liste mit Autos, die von irgendwem bestellt wurden. Sipho sucht die Wagen, überlistet die komplexen Sicherungssysteme und liefert die Autos ab. Er bekommt Geld, viel Geld, mehr als er je vorher hatte, und sein erstes eigenes Auto. Alles cool soweit. Aber nicht nur. Oder nicht lange. Denn dann stirbt ein Freund – nach Revierstreitigkeiten mit einer verfeindeten Gang.

„Auf der Welt des Verbrechens lag ein Schock, und wir trauerten wirklich, denn mit Vusi hatten wir einen von uns verloren. Er war auf eine Weise gestorben, vor der wir uns alle fürchteten – gewaltsam und allein, durch Kopfschüsse.“

Sipho hält inne. Denkt nach. Und geht seinen Weg weiter. Er entscheidet sich, noch mal, bewusst für diese Art zu leben. Das ist kein Hineinschlittern – er ist sich des Risikos bewusst. Allerdings gibt auch noch Nana, „sein Mädchen“. Nana macht gerade Abitur und lebt ein ganz anderes Leben. Sie nimmt die Veränderungen an Sipho wahr, mag seine neuen Freunde nicht, ahnt, trotz seiner raffinierten, haarsträubenden Lügen, welchen Weg er da beschreitet. Sipho liebt Nana, irgendwie, also vielleicht, wenn das, was er fühlt, Liebe ist – und in allen seine Zukunftsvisionen kommt Nana vor.
Es kommt, was eigentlich kommen muss: Sipho wird unvorsichtig. Er fährt mit einem frisch gestohlenen Wagen herum, der noch dazu in ein Verbrechen verwickelt war, unter dem Sitz tausend Mantraxpillen, im Reservereifen einen Haufen Ecstasy – das Startkapital für sein zweites Standbein. Drogengeschäfte. Und dann hält ihn die Polizei an. Den Rest lasse ich hier mal offen.

Sifiso Mzobes Debütroman ist schnell, schillernd, hart, geradlinig. Die Sprache passt sich dem an, die Dialoge sind präzise und knapp erzählt, da ist kein Wort zu viel. Es ist, als würde Sipho dieses Jahr Revue passieren lassen, im Nachhinein das Tempo runterfahren und noch einmal hinschauen, was eigentlich alles passiert ist. Als Leser ist man dicht dabei, erlebt chronologisch die verschiedenen Momente mit – die adrenalingeschwängerten Diebeszüge, die quälende Langeweile beim Warten auf den nächsten Auftrag vor dem Fernseher, die Partys, vernebelt durch Whiskydunst und Gras-Rauchschwaden. Mit wenigen Sätzen kann Mzobe Stimmung und Atmosphäre erzeugen, erlebbar machen. Und auch die Auslassungen erzählen etwas: Trotz der Erzählperspektive – Sipho als zurückblickender Ich-Erzähler – erfährt man erstaunlich wenig über die Innenwelt des Protagonisten. Beeindruckend, wie man als Leser in die gleiche Rolle gedrängt wird wie die Figuren, die ihn umgeben: dicht dran und doch weit weg, weil Sipho alle auf Distanz hält, niemanden wirklich teilhaben lässt. Der kluge und empfindsame Junge wird in Sipho ebenso sichtbar wie der sich maßlos überschätzende Möchtegern-Gangster, beide existieren in ihm und geraten auch immer wieder in Konflikt. Dieser Widerstreit wird nicht groß thematisiert, sondern erzählt sich zum Beispiel über die Schlaflosigkeit und die Alpträume (faszinierend geschildert), die Sipho begleiten. In kurzen (Ein)Schüben brechen die Emotionen hin und wieder umso heftiger über den sonst eher nüchtern berichtenden Erzähler herein – große Liebe, große Angst, große Trauer. Klar und kompromisslos wie der Roman und sein Protagonist.
Das Porträt dieses jungen schwarzen Mannes in einem von Kriminalität und Brutalität geprägten Umfeld wird sehr genau entworfen, wie am Reißbrett – und das tut dem Roman dann leider nicht gut. Jedes Klischee, das man über Townships in Südafrika haben kann, und über junge schwarze Männer, wird bedient, ja übererfüllt. Von Drogen und sehr viel Alkohol über glamouröse Gangstervillen, Autodiebstahl und Bandenkriege bis zur korrupten Polizei wird nichts ausgelassen – und das ist mir irgendwann zu viel, erscheint fast pädagogisch, wie eine Warnung. Es wirkt, als sollte in diesem Roman all das untergebracht werden, was einem auf dem Weg zum Erwachsenwerden in einer Township passieren kann. Und: Wäre diese Überfrachtung nicht, hätte ich dem Roman wohl eher verziehen, dass er eine Geschichte erzählt, die nicht unbedingt neu, sondern schon oft erzählt worden ist.
Der Roman lässt mich, aus den beschriebenen Gründen, mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Da war Reibung, ich habe mich geärgert, weil ich die Geschichte so gern in Gänze mögen wollte, ich habe einige Sequenzen atemlos gelesen, ich habe gelacht und die Augen ob der teenagerhaften Großkotzigkeit peinlichkeitserfüllt zusammengekniffen, ich habe nachgedacht. Das ist doch was.


Sifiso Mzobe: ‚Young Blood‘. Aus dem Englischen von Stephanie von Harrach. Erschienen 2015 im Peter Hammer Verlag. 272 Seiten, 22 Euro.

Diese Rezension ist zuerst als Gastbeitrag auf dem Blog we read indie erschienen. Verschiedene Blogger haben in loser Folge alle nominierten Titel der Hotlist 2015 besprochen und die dazugehörigen Verlage vorgestellt.
We read indie bietet viele Empfehlungen rund um Publikationen aus Independent-Verlagen – Rezensionen, Interviews und Portraits.

Literarischer Adventskalender #3

Der neue Adventskalender von 54stories

Kennt ihr 54stories? Auf dieser Plattform veröffentlichen Saskia Trebing und Tilman Winterling Texte junger Autoren – exklusiv, für jeden lesbar, zum freien Download. Begonnen haben die beiden mit dem Adventskalender 2014, danach wurde und wird die Textsammlung in loser Folge mit Geschichten, Gedichten und Essays fortgesetzt. Und, zu unser aller Glück, mit einem neuen Adventskalender. Dazu habe ich Tilman Winterling ein paar Sachen gefragt.

54stories Adventskalender 2015

© 54stories

Der Adventskalender von 54stories geht in eine neue Runde. Worauf dürfen wir uns dieses Jahr freuen?
Freuen darf man sich erstmal auf den Kalender an sich und das tun wir uns im Vorfeld schon. Auf der einen Seite, weil so viele positive Rückmeldungen kamen, die schon kurz nach dem Start des Kalenders letztes Jahr eine Verlängerung forderten. Und weil wir nach dem ersten Kalender und dreißig weiteren Geschichten erneut ziemlich schnell 24 hochkarätige Autoren versammeln konnten. Und darauf dürfen sich natürlich auch die Leser ab dem 1. Dezember freuen!

Sind es alles neue Autorinnen und Autoren, alles auf 54stories schon veröffentlichte – oder eine wilde Mischung?
Wir wollten der Linie von 54stories treu und bei der wilden Mischung bleiben. Es gibt also wieder ein paar „völlig unbekannte“, aber auch solche Autoren, die bereits in namhaften Verlagen veröffentlicht haben.

Gibt es wieder pro Tag eine Geschichte oder ein Gedicht – oder sind diesmal auch völlig andere Texte dabei?
Die Schlagzahl bleibt täglich und auch die Genres bleiben. Zwar würde ich gerne mal einen ausführlichen Essay zu einem völlig abseitigen Thema veröffentlichen, aber alle angefragten Autoren sind zu beschäftigt und Notlösungen, nur um das Spektrum zu erweitern, möchten wir nicht.

Wie habt ihr die Texte gefunden und ausgewählt?
Wir haben inzwischen den Vorteil, dass wir von unseren bisherigen Autoren Empfehlungen bekommen oder einholen, sodass wir noch vielfältiger werden. Es werden wieder Österreicher dabei sein, davon einer meiner aktuellen Lieblingsautoren. Wir haben erstmals einen Text, der für uns aus dem Englischen übersetzt wurde und wieder etliche bereits mit Literaturpreisen ausgezeichnete Autoren und Autorinnen. Es dürfte wieder für jeden Leser etwas dabei sein!

Morgen fällt nun endlich der Startschuss. Ich freue mich sehr auf das tägliche Lesen und bin schon sehr gespannt, wer dieses Jahr so dabei ist. Wer zu neugierig ist, um bis morgen zu warten, kann bei Twitter nachlesen, mit wessen Geschichte es losgeht. Wer sich überraschen lassen will, liest einfach keine alten Tweets nach. In jedem Fall und mit allen Adventskalendern wünsche ich viel Spaß, schöne Lesestunden und eine gute Adventszeit!


Der Adventskalender erscheint auf 54stories und kostet gar nichts. Die Geschichten dürfen gelesen, geteilt und runtergeladen, aber natürlich nicht kommerziell genutzt oder vertrieben werden. Aktuelle Informationen zu allem, was auf 54stories passiert, findet ihr auch auf Facebook und Twitter.

Literarischer Adventskalender #2

‚Der klassische Adventskalender‘

Der klassische AdventskalenderMein zweiter Favorit unter den literarischen Adventskalendern ist dieser Buch-Adventskalender. Herausgeberin Juliane Beckmann hat für diese Anthologie „die 24 schönsten Weihnachtsgeschichten“ versammelt. Besonders gelungen finde ich die Wahl der Autoren: Nicht nur Thomas Mann, Charles Dickens und Agatha Christie sind vertreten, sondern auch unbekanntere Schriftsteller wie Auguste Branchart oder Georg Ebers. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es für die geneigten Leser klassischer Literatur nicht nur ein Wiedersehen mit vertrauten Texten gibt (was ja aber auch sehr schön sein kann), sondern dass darüber hinaus Neuentdeckungen möglich sind. Deshalb ist dieser Adventskalender nicht nur ein Begleiter für die Vorweihnachtszeit, sondern auch eine Art Leseproben-Sammlung – in diesem Fall eben nach dem Kriterium der „Weihnachtlichkeit“ zusammengestellt. Bei mir verstärkt er jedenfalls die Lust, mal wieder einen der sogenannten Klassiker in die Hand zu nehmen – und die Neuerscheinungen mal eben beiseite zu lassen.
Mich persönlich hätte ja noch interessiert, wie hier der Begriff „Klassiker“ definiert wird und nach welchen Kriterien die Ausschnitte ausgesucht wurden. Es gibt da doch sicher mehr als diese 24 weihnachtstauglichen Texte, die infrage kommen, oder? Wieso also eben jene? Aber das wäre jetzt schon ganz schön pingelig. Schließlich geht es hier nicht um einen Forschungsauftrag, sondern darum, sich mit dem Buch auf das Sofa zu kringeln, mit Adventskranz, Tee und Vanillekipferln in Sicht- bzw. Reichweite. Das wird super. Leseprobe


Juliane Beckmann (Hrsg.): ‚Der klassische Adventskalender‘. 24 Geschichten bis zum Fest.‘ Erschienen bei S. Fischer, erhältlich in drei Varianten: als kleines Hardcover und Taschenbuch (je 10 Euro), außerdem als E-Book (3,99 Euro).

Literarischer Adventskalender #1

Weihnachten kommt näher, Nikolaus ist noch früher da, und noch davor: der 1. Dezember. Der Tag, an dem das mit dem Adventskalender losgeht, an dem  man das erste Türchen öffnen, das erste Säckchen aufmachen darf, die ersten Seiten lesen.
Es gibt – auch für Erwachsene – viele Adventskalender. Sehr, sehr viele Adventskalender. Ich habe mir drei ausgesucht, die mir besonders gut gefallen, und stelle sie in den nächsten Tagen hier vor. Den Anfang macht:

‚Der Kurzgeschichten Adventskalender‘
Kurzgeschichten Adventskalender

© Literatur Quickie Verlag

„Nur noch 24 Literatürchen bis Weihnachten“, schreibt der Literatur Quickie Verlag über seine Box mit 24 kleinen Heften, von denen jedes eine Kurzgeschichte enthält. Die Autorenschaft kann sich sehen lassen: Karen Köhler ist zum Beispiel mit ‚Il Commandante‘ dabei, einer Erzählung, die unlängst in Köhlers viel beachtetem Kurzgeschichtenband ‚Wir haben Raketen geangelt‘ erschienen ist. Außerdem: Markus Orths und Frank Schulz, Katrin Seddig (gleich zweimal), Wolfgang Denkel – und viele weitere spannende Autorinnen und Autoren.
Die kleinen Büchlein sind etwa so groß wie Pixiebücher (und werden auch immer wieder ‚Pixies für Erwachsene‘ genannt, obwohl der Verlag selbst lieber Booklits sagt). Sie passen also locker in die Hosentasche – falls man über ein Adventswochenende verreisen sollte, kein Problem also.
Die Literatur Quickies werden aber natürlich nicht nur als Adventskalender angeboten: Man kann die Hefte ganzjährig einzeln kaufen oder sogar als Abo bestellen, dann flattern die Hefte regelmäßig von allein ins Haus. Ich kannte bisher einzelne Hefte, aber irgendwie waren die kleinen Hochkaräter bei mir in Vergessenheit geraten – bis Sophie Weigand von Literaturen auf Twitter den Adventskalender erwähnte. Auf ihrem Blog findet ihr auch ein sehr schönes Interview mit Lou A. Probsthayn, dem Verleger des Literatur Quickie Verlags.


‚Der Kurzgeschichten Adventskalender‘, 24 Booklits, 39 Euro, ISBN: 978-3945453179. Erschienen im Literatur Quickie Verlag. Den Adventskalender kann man zum Beispiel im verlagseigenen Shop kaufen.

‚Kilifü‘ – Almanach der Kinderliteratur

Kilifü
Wie? Was? Wer?

„Kili…was?“ war meine erste Reaktion, als ich zum ersten Mal von dieser Publikation hörte. Dabei habe ich Kinder- und Jugendliteratur als Studienschwerpunkt gehabt, interessiere mich nach wie vor sehr für diesen Bereich der Literatur und habe relativ viel mit Menschen zu tun, die sich da ziemlich gut auskennen – trotzdem hatte ich bis zu Beginn meiner Arbeit im Buchladen noch nie vom ‚Kilifü‘ gehört. Und weil ich finde, dass dieses Heft eine tolle Sache ist und vielleicht noch ein bisschen bekannter werden kann, will ich es heute mal vorstellen. Deshalb habe ich mich am Rande der Frankfurter Buchmesse mit einer der Macher*innen, Sandra Rudel, getroffen. Sie ist Buchhändlerin bei schmitz Junior und realisiert das Heft gemeinsam mit Thomas Schmitz, Geschäftsführer von schmitz. Die Buchhandlung und Dirk Uhlenbrock vom Grafikdesignbüro erste Liga sowie wechselnden Gastautor*innen.

Orientierung im Dschungel der Neuerscheinungen

Der Name ‚Kilifü‘ steht für Kinderliteraturführer. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit den Titeln der Kinder- & Jugendliteraturproduktion eines Jahres und versteht sich als „Empfehlungsschreiben“, als eine Art Kompass, der in der Unmenge an Neuerscheinungen Orientierung bieten möchte. Der Almanach umfasst etwa 300 Buchempfehlungen zu aktuellen Titeln – alle von den Macher*innen ausgewählt, gelesen und für gut befunden. Dabei nehmen die Empfehlungen auf alle möglichen Altersstufen und Interessengebiete Bezug: Leseempfehlungen für Kleine, Mittlere und Große, aus dem Bereich Sachbuch, zum Vorlesen und als Hörbuch – da kann für die gesamte Leserschaft (und die, die es noch werden will) das Passende gefunden werden.

Die Idee

Ein Heft mit Empfehlungen zu machen für die Kunden und Leser, und zwar für die, die noch am Anfang ihrer „Lesekarriere“ stehen – diesen Wunsch hegten die Buchhändler*innen bei Schmitz schon sehr lange. „Die erste Inspiration war vor vielen Jahren das Magazin der englischen Buchhandlung Waterstone“, erzählt mir Sandra Rudel, die beim ‚Kilifü‘ für den redaktionellen Bereich verantwortlich ist. „So ein Heft zu machen, mit selbst zusammengestellten Empfehlungen für unsere Leser, das ist einfach toll und macht viel Spaß – und viel Arbeit.“ Aber die gute Resonanz, auf die das Empfehlungsheft stößt, gibt den Herausgebern recht: Schon die zweite Auflage im Jahr 2013 erreichte eine Auflagenhöhe von 50.000 Stück.

Wer nutzt den Kilifü und wie?

„Das ist ganz unterschiedlich“, sagt Sandra Rudel, „da sind einmal die Eltern, die schauen, was sie ihren Kindern zu lesen geben können, dann gibt es die Lehrer*innen und Erzieher*innen, die auf Ideensuche sind. Dazu kommen die Buchhandlungen, bei denen Kinder- und Jugendbuch vielleicht kein Schwerpunkt ist und die sich so Anregungen holen, was sie sich in den Laden stellen können. Das Gleiche gilt für die Bibliotheken. Und nicht zuletzt lesen den ‚Kilifü‘ auch Kinder, die dann ankreuzen, welche Bücher sie sich wünschen.“
Ich persönlich schätze an diesem sorgsam zusammengestellten Almanach, dass hier die verschiedensten Bücher Raum bekommen. Titel aus großen, bekannten Verlagen – so sie denn nach Einschätzung des Teams als empfehlenswert gelten – stehen neben Büchern, die man ohne den ‚Kilifü‘ vielleicht nicht so leicht entdeckt hätte, weil sie in kleinen Verlagen erscheinen oder kaum beworben werden. Zu allen Büchern gibt es eine kurze Inhaltsangabe und eine Begründung dafür, wieso sie empfehlenswert sind. Dazu gibt es Interviews, zum Beispiel mit Illustratoren, und kurze Artikel. Den Hauptteil nehmen aber klar die Empfehlungen ein. Ich lese und empfehle gerne Kinder- und Jugendliteratur, und bisher habe ich mich in meiner Auswahl immer auf bestimmte Verlage, die Nominierungen für den Jugendliteraturpreis und Empfehlungen anderer verlassen. Damit bin ich ganz gut gefahren – aber jetzt kommt mit dem ‚Kilifü‘ noch eine Empfehlungsinstanz hinzu, die ich bestimmt öfter zurate ziehen werde. Auch für meine Arbeit in der Buchhandlung, schließlich ist es unmöglich, alles selbst zu lesen.

Wie kommt man an den ‚Kilifü‘?

Der Kinderliteraturführer wird in erster Linie über den Buchhandel vertrieben – also am besten beim Buchhändler des Vertrauens nachfragen. Sollte der ‚Kilifü‘ dort nicht vorrätig sein, kann die Buchhandlung ihn über den Großhändler bestellen. Alternativ kann man ihn auch hier zum Preis von 7,90 Euro zzgl. Versand ordern.
Der ‚Kilifü 2015/2016‘ erscheint am 6. November dieses Jahres, und um einen Eindruck zu bekommen – einfach mal die verschiedenen Leseproben und den Blog anschauen. Dort findet ihr auch Informationen zum neuen Magazin, das als Ergänzung zum ‚Kilifü‘ konzipiert ist. Es rückt verstärkt Akteure der Buchbranche und die oft vernachlässigten, „alten“ Backlisttitel in den Vordergrund. Auch spannend und lesenswert!

Lieben Dank noch mal an Sandra Rudel für das nette Gespräch!

Deutscher Buchpreis: 2×2 Karten für eine Lesung zu gewinnen

BlindDate-Lesung mit einem Autoren der Longlist 2015

UPDATE // Die Verlosung ist beendet und damit stehen die beiden Gewinnerinnen fest:
Herzlichen Glückwunsch an Sabine Otterbein und Maja! Ich freue mich auf die Veranstaltung und Euer Kommen und habe mich noch mal schriftlich bei euch gemeldet.


Whoop whoop! Ich habe heute die besondere Ehre, etwas Tolles zu verlosen. Aber erst mal zur Vorgeschichte…

BlindDate-LesungDer Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat bundesweit acht Lesungen mit Kandidaten der Longlist verlost. Das Besondere: Die Gäste wissen nicht, welcher Autor an dem Abend zur Lesung kommen wird – deshalb „Blind Date“. Ungewissheit! Überraschung!

Und jetzt der Knaller: Die Buchhandlung, in der ich seit diesem Frühjahr arbeite, hat eine der Lesungen gewonnen! YEAH! Um meine Freude über diese Tatsache und auf diesen Abend mit euch zu teilen, verlose ich 2×2 Eintrittskarten für die Lesung. Da die Teilnahme an der Verlosung nur Sinn macht, wenn ihr in der Nähe seid und Zeit habt, hier die Eckdaten zur Veranstaltung: Sie findet am 11. September um 19.30 Uhr in Seligenstadt (Hessen) statt. Wer also vor Ort wohnt oder den Weg dahin nicht scheut (ich brauche von Frankfurt eine knappe Stunde von Tür zu Tür), ist herzlich eingeladen, an der Verlosung teilzunehmen!
Was ihr dafür tun müsst: Schreibt bis Sonntag, den 6. September 2015 um 20.00 Uhr einen Kommentar unter diesen Beitrag oder schickt eine Mail an post@buchbuechse.de und gebt einen Tipp ab: Wer von den nominierten Autoren wird am 11. September auf unserer BlindDate-Lesung lesen? Ob ihr richtig liegt oder nicht, spielt keine Rolle – raten allein macht Spaß und reicht schon. Die beiden Gewinner dieser Verlosung werden dann spätestens am Montag, den 7. September 2015 bekanntgegeben.

Seligenstadt ist zu weit, aber eine Blind Date Lesung zu erleben wäre schön? Hier könnt ihr nachschauen, ob eine der anderen Lesungen in eurer Nähe stattfindet.

P. S. Ich weiß schon, wer zu unserer Lesung kommen wird, und so viel kann ich verraten:
Ich freue mich. Sehr. Und jetzt geht’s los! Viel Glück.


Veranstaltungszeit & -ort:
11. September 2015, 19.30 Uhr
Jakobsaal im St. Josefshaus, Jakobstr. 5
63500 Seligenstadt

Veranstaltet durch:
der buchladen, Inhaberin: Bettina Haenitsch
Bahnhofstr. 18, 63500 Seligenstadt
Telefon: 06182 / 9485485
E-Mail: info@der-buchladen-seligenstadt.de
www.der-buchladen-seligenstadt.de

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die Daten der Teilnehmer werden nach der Verlosung gelöscht.

Sommer, Sonne, Bücher!

Liebe Leserinnen und Leser, hier war es ganz schön ruhig in letzter Zeit – neue Arbeitsaufgaben haben mich ganz schön gefordert. Da war nicht so viel Zeit und Energie für die BUCHBÜCHSE übrig, aber das wird auch wieder anders werden. Allerdings nicht sofort: Jetzt ist erst mal Urlaub angesagt! Bevor es losgeht, möchte ich aber noch ein paar Empfehlungen dalassen für alle, die noch Lektüre-Ideen brauchen können.

Nina Sahm – Das letzte Polaroid

Das letzte Polaroid

Der Roman beginnt mit einem Sommer am Balaton und endet im Budapester Winter. Es geht um zwei Frauen, die sich als Jugendliche kennenlernen, ihre Freundschaft über die Distanz bewahren – und vielleicht dennoch weniger voneinander wissen, als sie glauben. Eine berührende Geschichte, die sich mit der Frage befasst: Wer bin ich – und wer möchte ich sein? Ein mitreißendes, poetisches und doch leichtfüßiges Debüt.

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Ruth Cerha – Bora. Eine Geschichte vom Wind

Bora

Ich mache jetzt mal was ganz Gewagtes und empfehle ein Buch, das ich selbst noch nicht gelesen habe. Warum? Weil ich auf die Qualität der Frankfurter Verlagsanstalt vertraue, weil andere LeserInnen, deren Einschätzungen und Geschmack ich häufig teile, das Buch gelobt haben – und weil es große Lust auf Sommer, Insel, Meer und Wind zu machen scheint. Ich habe es jedenfalls in meinen Koffer gepackt und werde berichten, ob es meine Erwartungen erfüllen konnte – vielleicht können wir uns ja dann austauschen? Leseprobe

 

Anna Woltz – Meine wunderbar seltsame Woche mit Tess

Meine wunderbar seltsame Woche mit TessAllen, die Lust auf eine Feriengeschichte haben oder etwa neunjährige Kinder, die noch Urlaubslektüre brauchen, sei dieses wunderbare Buch empfohlen. Es geht um Samuel, der mit seiner Familie Urlaub auf Texel macht und dort die irgendwie seltsame Tess kennenlernt. Aber seltsam ist gut, Samuel mag das. Und dass Tess nichts Geringeres vorhat, als ihren ihr unbekannten Vater unter einem Vorwand auf die Insel zu locken und zu schauen, ob er als Papa für sie taugt, macht die Sache erst richtig aufregend. Freundschaft, Familie, Tod und Abschied – das steckt alles drin in der Geschichte, und dennoch kommt sie auch leicht und witzig daher. Mir hat das Buch viel Spaß gemacht. Mehr Infos und Leseprobe

So, bis bald, und habt einen schönen Sommer – mit Sonne und Büchern und allem, was euch gut tut!

BOOKUP UND BÜCHER UND BLUMEN

BookUp again: zu Gast bei der Frankfurter Verlagsanstalt

Schon lange habe ich mich darauf gefreut, letzten Mittwoch war es endlich so weit: BookUp bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Ja, das sind die mit dem Elefanten im Logo! Und diesem aufsehenerregenden Riesenbuch der georgischen Autorin Nino Haratischwili! Genau, dieser kleine, unabhängige 3-Frau-1-Mann-Betrieb.

BookUp_FVAMit der Veranstaltung bei der Frankfurter Verlagsanstalt fand nun schon das 25. BookUp statt (was das genau ist, könnt ihr hier nachlesen), ich war zum zweiten Mal dabei. Auf dieses BookUp habe ich mich aus mehreren Gründen besonders gefreut. Zum einen, weil ich die Bücher aus der Frankfurter Verlagsanstalt sehr mag und es toll ist, mehr über die Arbeit eines geschätzten Verlages zu erfahren. Zum anderen, weil die BookUps tolle Gelegenheiten sind, andere Menschen zu treffen, die sich für Bücher und für’s Büchermachen interessieren – und da hatten sich etliche Leute angekündigt, auf die ich mich freute.

JWolf_AllesIstJetztWas hat uns nun also erwartet? Nach einer herzlichen Begrüßung durch Franziska Hedrich, die bei der FVA für die Pressearbeit zuständig ist, sprach der Verleger Joachim Unseld über die Ausrichtung des Verlages und das kommende Herbstprogramm. Danach las Julia Wolf aus ihrem Debütroman ‚Alles ist jetzt‘ und schaffte es, mir richtig Lust auf dieses Buch zu machen. Es liegt schon länger hier und ist nun auf der Liste ein ganzes Stück nach oben gerutscht. Alle, die Lust auf eine sprachlich sehr besonders gestaltete Geschichte haben, in der sich eine junge Frau mit den Schwierigkeiten des eigenen Lebens und der Macht von Erinnerungen auseinandersetzt, sollten sich diesen Roman mal anschauen. Hier gibt es auch noch einen kleinen Trailer zu ‚Alles ist jetzt‘.

Da einige andere Buchbloggerinnen ganz schnell waren und schon über die Veranstaltung geschrieben haben, verweise ich für die Details mal auf die Beiträge von buzzaldrinsblog und El Tragalibros. Dort könnt ihr alle Einzelheiten zu diesem schönen Abend nachlesen und euch viele tolle Fotos anschauen. Außerdem gibt es hier ein Storify mit unseren Tweets  – wie beim BookUp üblich, haben wir unter dem Hashtag #bookupDE getwittert, als ob es kein Morgen gäbe.

Ich möchte den Besuch bei der Frankfurter Verlagsanstalt nun aber vor allem auch zum Anlass nehmen, um euch meinen langjährigen Lieblingstitel aus dem Verlag vorstellen:

Nicolas Dickner – ‚Nikolski‘

Nikolski

„Mein Name ist ohne Bedeutung.
Alles beginnt im September 1989 gegen sieben Uhr in der Frühe.
Ich schlafe noch, eingerollt in meinen Schlafsack, im Wohnzimmer auf dem Boden. Um mich herum stapeln sich Pappkartons, zusammengerollte Teppiche, halb auseinandergenommene Möbel und Werkzeugkisten. Die Wände sind kahl bis auf die hellen Flecken von den Bilderrahmen, die dort allzu lange hingen.“
(S.11 der FVA-Ausgabe)

‚Nikolski‘ ist das Debüt des kanadischen Autors Nicolas Dickner. Mit diesem Roman landete er 2005 einen Überraschungserfolg: Der Autor erhielt für seinen Erstling gleich mehrere Preise, das Buch wurde in dreizehn Sprachen übersetzt (darunter jeweils eigene Übersetzungen in kanadisches, amerikanisches & britisches Englisch)  und laut Éditions Alto weltweit mehr als 100.000 mal verkauft (Stand 2013). 2008 erschien es in der Übersetzung von Andreas Jandl bei der Frankfurter Verlagsanstalt.

„Tausende Kilometer voneinander getrennt und doch – ohne es zu wissen – derselben Familie angehörig, wachsen drei Jugendliche auf, zwei Söhne und eine Nichte des ruhelosen Matrosen Jonas Doucet.
Da ist der namenlose Erzähler, der in Montréal als Buchhändler jobbt. Die einzige Erinnerung an seinen Vater ist der ‚Nikolski-Kompass‘,  der nicht nach Norden weist, sondern auf den winzigen, hinter Alaska auf den Aleuten gelegenen Ort Nikolski. Noah ist der Halbbruder des Erzählers, seine Mutter ist eine von ihrem Stamm verstoßene Indianerin. Als Noah nach Montréal aufbricht, ist in seinem Gepäck das ‚dreiköpfige Buch‘, das auf geheimnisvolle Weise mit seiner Herkunft verbunden zu sein scheint. Joyce, die Dritte im Bunde, ist die Nichte von Jonas Doucet. Tagsüber filetiert sie Fisch, nachts stiehlt sie Computerteile aus Mülltonnen. Und hätte der Nikolski-Kompass ein bisschen besser funktioniert, vielleicht hätten die drei den Norden ihres Lebens und einander gefunden.“ (Text Buchumschlag)

‚Nikolski‘ hat mich damals umgehauen. Die Figuren, ihre verschlungenen Lebenswege, die sich immer wieder kreuzen, ohne sich jedoch wirklich zu berühren, die Sehnsucht und das Suchen, das alle umtreibt, die merkwürdigen Dinge, mit denen sie sich befassen… L’Actualité nannte den Roman einen „Genuss für die Neuronen“, und das ist das Buch wirklich. Es gehört für mich, obwohl meine Lektüre schon etwa sechs Jahre zurückliegt, nach wie vor zu meinen liebsten Büchern. Und jetzt, in der wiederholten genaueren Beschäftigung mit diesem Roman, habe ich beschlossen, dass ich es erneut lesen will und muss, weil mir viele Details wieder entfallen sind.
Bemerkenswert finde ich auch das Cover: Es war in meinem Fall der Anlass, das Buch zu kaufen. Ich hatte vorher weder von Dickner gehört noch ein besonderes Interesse an kanadischer Literatur – aber diese Fische haben es mir angetan. Und wann immer ich das Buch verschenkt oder anderen mit einem eindringlichen „Lies das!-Blick“ gezeigt habe, waren die Leute ebenfalls angetan.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt – ich möchte für diesen Titel von der Backlist der Frankfurter Verlagsanstalt eine klare Leseempfehlung aussprechen. Es ist ein faszinierender Roman, dessen merkwürdige Atmosphäre mit Fischen und Müllhalden und indianischer Vorgeschichte einen direkt gefangen nimmt und so schnell nicht wieder freigibt. Bitte lesen! Schnell! Hier findet ihr eine Leseprobe.

IMG_3771Mit ‚Nikolski‘ und ‚Alles ist jetzt‘ sind nun schon zwei Leseanregungen zu FVA-Büchern auf dem Tisch. Zum Anschluss möchte ich mit dem Blick auf das Herbstprogramm noch Danke sagen für mein Mitbringsel vom BookUp und einen dritten Titel ins Spiel bringen: Mit Ruth Cerhas ‚Bora. Eine Geschichte vom Wind‘ liegt jetzt schon ein ganz neuer Titel hier, der bereits im Juli erscheinen wird. Ich bin gespannt auf das FVA-Sommerbuch! Neugierige können sich ja schon mal das Herbstprogramm 2015 zu Gemüte führen. Danke an die Frankfurter Verlagsanstalt für einen tollen Abend und wunderbare Bücher!


Genannte Bücher:
Cerha, Ruth: ‚Bora. Eine Geschichte vom Wind.‘ Erscheint im Juli 2015.
Dickner, Nicolas: ‚Nikolski‘. Aus dem Französischen von Andreas Jandl. Deutsche Ersterscheinung 2008 bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Seit 2011 auch als Taschenbuch im btb Verlag.
Haratischwili, Nino: Das achte Leben (Für Bilka). Erschienen im September 2014.
Wolf, Julia: ‚Alles ist jetzt‘. Erschienen im Februar 2015.