BOOKUP UND BÜCHER UND BLUMEN

BookUp again: zu Gast bei der Frankfurter Verlagsanstalt

Schon lange habe ich mich darauf gefreut, letzten Mittwoch war es endlich so weit: BookUp bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Ja, das sind die mit dem Elefanten im Logo! Und diesem aufsehenerregenden Riesenbuch der georgischen Autorin Nino Haratischwili! Genau, dieser kleine, unabhängige 3-Frau-1-Mann-Betrieb.

BookUp_FVAMit der Veranstaltung bei der Frankfurter Verlagsanstalt fand nun schon das 25. BookUp statt (was das genau ist, könnt ihr hier nachlesen), ich war zum zweiten Mal dabei. Auf dieses BookUp habe ich mich aus mehreren Gründen besonders gefreut. Zum einen, weil ich die Bücher aus der Frankfurter Verlagsanstalt sehr mag und es toll ist, mehr über die Arbeit eines geschätzten Verlages zu erfahren. Zum anderen, weil die BookUps tolle Gelegenheiten sind, andere Menschen zu treffen, die sich für Bücher und für’s Büchermachen interessieren – und da hatten sich etliche Leute angekündigt, auf die ich mich freute.

JWolf_AllesIstJetztWas hat uns nun also erwartet? Nach einer herzlichen Begrüßung durch Franziska Hedrich, die bei der FVA für die Pressearbeit zuständig ist, sprach der Verleger Joachim Unseld über die Ausrichtung des Verlages und das kommende Herbstprogramm. Danach las Julia Wolf aus ihrem Debütroman ‚Alles ist jetzt‘ und schaffte es, mir richtig Lust auf dieses Buch zu machen. Es liegt schon länger hier und ist nun auf der Liste ein ganzes Stück nach oben gerutscht. Alle, die Lust auf eine sprachlich sehr besonders gestaltete Geschichte haben, in der sich eine junge Frau mit den Schwierigkeiten des eigenen Lebens und der Macht von Erinnerungen auseinandersetzt, sollten sich diesen Roman mal anschauen. Hier gibt es auch noch einen kleinen Trailer zu ‚Alles ist jetzt‘.

Da einige andere Buchbloggerinnen ganz schnell waren und schon über die Veranstaltung geschrieben haben, verweise ich für die Details mal auf die Beiträge von buzzaldrinsblog und El Tragalibros. Dort könnt ihr alle Einzelheiten zu diesem schönen Abend nachlesen und euch viele tolle Fotos anschauen. Außerdem gibt es hier ein Storify mit unseren Tweets  – wie beim BookUp üblich, haben wir unter dem Hashtag #bookupDE getwittert, als ob es kein Morgen gäbe.

Ich möchte den Besuch bei der Frankfurter Verlagsanstalt nun aber vor allem auch zum Anlass nehmen, um euch meinen langjährigen Lieblingstitel aus dem Verlag vorstellen:

Nicolas Dickner – ‚Nikolski‘

Nikolski

„Mein Name ist ohne Bedeutung.
Alles beginnt im September 1989 gegen sieben Uhr in der Frühe.
Ich schlafe noch, eingerollt in meinen Schlafsack, im Wohnzimmer auf dem Boden. Um mich herum stapeln sich Pappkartons, zusammengerollte Teppiche, halb auseinandergenommene Möbel und Werkzeugkisten. Die Wände sind kahl bis auf die hellen Flecken von den Bilderrahmen, die dort allzu lange hingen.“
(S.11 der FVA-Ausgabe)

‚Nikolski‘ ist das Debüt des kanadischen Autors Nicolas Dickner. Mit diesem Roman landete er 2005 einen Überraschungserfolg: Der Autor erhielt für seinen Erstling gleich mehrere Preise, das Buch wurde in dreizehn Sprachen übersetzt (darunter jeweils eigene Übersetzungen in kanadisches, amerikanisches & britisches Englisch)  und laut Éditions Alto weltweit mehr als 100.000 mal verkauft (Stand 2013). 2008 erschien es in der Übersetzung von Andreas Jandl bei der Frankfurter Verlagsanstalt.

„Tausende Kilometer voneinander getrennt und doch – ohne es zu wissen – derselben Familie angehörig, wachsen drei Jugendliche auf, zwei Söhne und eine Nichte des ruhelosen Matrosen Jonas Doucet.
Da ist der namenlose Erzähler, der in Montréal als Buchhändler jobbt. Die einzige Erinnerung an seinen Vater ist der ‚Nikolski-Kompass‘,  der nicht nach Norden weist, sondern auf den winzigen, hinter Alaska auf den Aleuten gelegenen Ort Nikolski. Noah ist der Halbbruder des Erzählers, seine Mutter ist eine von ihrem Stamm verstoßene Indianerin. Als Noah nach Montréal aufbricht, ist in seinem Gepäck das ‚dreiköpfige Buch‘, das auf geheimnisvolle Weise mit seiner Herkunft verbunden zu sein scheint. Joyce, die Dritte im Bunde, ist die Nichte von Jonas Doucet. Tagsüber filetiert sie Fisch, nachts stiehlt sie Computerteile aus Mülltonnen. Und hätte der Nikolski-Kompass ein bisschen besser funktioniert, vielleicht hätten die drei den Norden ihres Lebens und einander gefunden.“ (Text Buchumschlag)

‚Nikolski‘ hat mich damals umgehauen. Die Figuren, ihre verschlungenen Lebenswege, die sich immer wieder kreuzen, ohne sich jedoch wirklich zu berühren, die Sehnsucht und das Suchen, das alle umtreibt, die merkwürdigen Dinge, mit denen sie sich befassen… L’Actualité nannte den Roman einen „Genuss für die Neuronen“, und das ist das Buch wirklich. Es gehört für mich, obwohl meine Lektüre schon etwa sechs Jahre zurückliegt, nach wie vor zu meinen liebsten Büchern. Und jetzt, in der wiederholten genaueren Beschäftigung mit diesem Roman, habe ich beschlossen, dass ich es erneut lesen will und muss, weil mir viele Details wieder entfallen sind.
Bemerkenswert finde ich auch das Cover: Es war in meinem Fall der Anlass, das Buch zu kaufen. Ich hatte vorher weder von Dickner gehört noch ein besonderes Interesse an kanadischer Literatur – aber diese Fische haben es mir angetan. Und wann immer ich das Buch verschenkt oder anderen mit einem eindringlichen „Lies das!-Blick“ gezeigt habe, waren die Leute ebenfalls angetan.

Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt – ich möchte für diesen Titel von der Backlist der Frankfurter Verlagsanstalt eine klare Leseempfehlung aussprechen. Es ist ein faszinierender Roman, dessen merkwürdige Atmosphäre mit Fischen und Müllhalden und indianischer Vorgeschichte einen direkt gefangen nimmt und so schnell nicht wieder freigibt. Bitte lesen! Schnell! Hier findet ihr eine Leseprobe.

IMG_3771Mit ‚Nikolski‘ und ‚Alles ist jetzt‘ sind nun schon zwei Leseanregungen zu FVA-Büchern auf dem Tisch. Zum Anschluss möchte ich mit dem Blick auf das Herbstprogramm noch Danke sagen für mein Mitbringsel vom BookUp und einen dritten Titel ins Spiel bringen: Mit Ruth Cerhas ‚Bora. Eine Geschichte vom Wind‘ liegt jetzt schon ein ganz neuer Titel hier, der bereits im Juli erscheinen wird. Ich bin gespannt auf das FVA-Sommerbuch! Neugierige können sich ja schon mal das Herbstprogramm 2015 zu Gemüte führen. Danke an die Frankfurter Verlagsanstalt für einen tollen Abend und wunderbare Bücher!


Genannte Bücher:
Cerha, Ruth: ‚Bora. Eine Geschichte vom Wind.‘ Erscheint im Juli 2015.
Dickner, Nicolas: ‚Nikolski‘. Aus dem Französischen von Andreas Jandl. Deutsche Ersterscheinung 2008 bei der Frankfurter Verlagsanstalt. Seit 2011 auch als Taschenbuch im btb Verlag.
Haratischwili, Nino: Das achte Leben (Für Bilka). Erschienen im September 2014.
Wolf, Julia: ‚Alles ist jetzt‘. Erschienen im Februar 2015.

2 Antworten

  1. Ich danke dir für den schönen Bericht, aber vor allen Dingen für den Hinweis auf „Nikolski“ – ich kannte das Buch vorher überhaupt nicht, jetzt steht es ganz oben auf meiner Wunschliste! :-)

    • Das freut mich, Mara! Genau so einen Effekt habe ich mir erhofft. Es ist doch schön, wenn auch ältere, geliebte Bücher ihre Aufmerksamkeit bekommen.
      Wir können ja dann parallel lesen – eine erstmals, eine nochmals :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.