Zweite Runde für die buchmesse:blogger sessions auf der Leipziger Buchmesse

Bei der Bloggerkonferenz #bmb17 in Leipzig ging es um Unabhängigkeit, Recht und Gesetz im wilden, weiten Internet  – und ums liebe Geld.

In der ewigen Debatte, wer Literatur wie und wo besprechen darf und kann, scheint der Ton langsam versöhnlicher zu werden. Das zeigte die zweite Bloggerkonferenz in Leipzig, die viel Stoff zum Weiterdenken lieferte – nicht nur für Blogger, sondern auch für die Teilnehmer aus der Verlagswelt, die sich über neue Impulse für ihre Kommunikationsstrategien freuen konnten.

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Wohin wird die Reise gehen? – Jochen Kienbaum (Lust auf Lesen), Mareike Krause (Meine Lesechallenges) und Bozena Anna Badura (Das Debüt) im Gespräch mit Moderator Wolfgang Tischer (v.l.n.r.) © Gaby Waldek

Literaturblogs: frei – oder abhängig?

Buchmessedirektor Oliver Zille sprach bei der Eröffnung von „verschiedenen Einflugschneisen“ ins Thema – und F.A.Z-Literaturchef Andreas Platthaus steckte vorab den Diskussionsrahmen für die buchmesse:blogger sessions ab: „Sie dürfen nicht allzu viel Höflichkeit von mir erwarten, ich halte weder das Feuilleton noch Blogging für der Weisheit letzten Schluss“, eröffnete Platthaus die Diskussion. Er bescheinigte den Blog-Rezensionen jedenfalls ein immens gestiegenes Niveau. Klassische Literaturkritik hingegen sei weniger gruppendynamisch als die Bloggerszene – und sie gebe sich den Anschein einer gewissen Allgemeingültigkeit: „Dabei gibt es keine Kulturberichte ohne Subjektivität.“

Platthaus drückte aber auch seine Sorge über die mangelnde Unabhängigkeit der Blogger von Verlagen und Autoren aus. Hier wünschte er sich klarere Prinzipien und mehr Reflektion. Und: „Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der große Erfolg der Blogs so anhält.“ Auch die Blogs werden vom Medienwandel betroffen sein, so seine Prognose.

Mehr zu seiner Sicht auf Blogs im Interview mit Andreas Platthaus. 

Die Zukunftsperspektiven der Blogs spiegelten sich auch in anderen Panels wieder: Die Konferenzteilnehmer diskutierten über andere Formate und Kanäle wie Podcasts, Instagram oder YouTube, die zum Teil schon jetzt größere Reichweiten erzielen als viele Blogs – heute oft ergänzend, in Zukunft vielleicht komplett eigenständig.

Achtung, Schleichwerbung!

Rechtsanwalt und Blogger Tilman Winterling (54Books) nahm vor allem das Thema Schleichwerbung in den Blick. Er zeigte in seiner Session fragwürdige Beispiele und erläuterte die korrekte Kennzeichnung werblicher Blogbeiträge. Mit zunehmender Professionalisierung schreite der Selbstreinigungsprozess der Bloggerszene voran, so Winterlings Diagnose: „Die Gefahr, im Buchbereich verklagt zu werden, ist noch nicht so groß. Aber es geht los – und dann werden alle Schleichwerber elegant vom Markt geklagt“, warnte er.

Das liebe Geld

In der Abschluss-Session „Geldverdienen mit Blogs“ stellte der Moderator der Konferenz, Wolfgang Tischer (Literaturcafé), zusammen mit Blogger-Kollege Fabian Neidhardt (mokita.de) seine Ideen vor. Neben bekannteren Optionen wie Affiliate Links regten sie dabei auch an, guten Content als E-Book zu vermarkten oder die in Deutschland noch wenig genutzten Micropayment-Dienste (zum Beispiel Laterpay oder Flattr) zu nutzen.

Das Thema Monetarisierung hatte sich bei der Konferenz-Premiere im vergangenen Jahr verselbstständigt, war in alle Sessions eingesickert und hatte einen gewissen Drive erzeugt. Diese Energie fehlte dieses Mal ein wenig; vielleicht gab es nicht die eine Frage, die fast alle umzutreiben scheint, vielleicht war das Programm auch etwas zu vortragslastig. Vielleicht müssen die Blogger die Konferenz aber auch noch aktiver mitgestalten – zum Beispiel, indem sie Oliver Zilles ausdrücklicher Bitte um Feedback nachkommen und eigene Ideen einbringen. Das Ergebnis wird dann wohl auf der #bmb18 zu besichtigen sein.


Dieser Beitrag ist zuerst auf boersenblatt.net und im Börsenblatt 13/2017 vom 30. März 2017 erschienen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Börsenblatts.

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