DECKEL DRAUF [04/2015]

April 2015

Dieser April war für mich ein Viellesemonat – acht Bücher habe ich gelesen und eins nehme ich noch mit hinüber in den Mai. Ich bin mit dem Monat sehr, sehr zufrieden – es waren einige richtig tolle Entdeckungen dabei und nicht ein Titel, auf den ich wirklich lieber verzichtet hätte.

‚Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek‘ von David Whitehouse

1309_01_SU_Whitehouse_DieReise_47L.inddEine wunderbare Geschichte über eine gemeinsame Flucht und über die Wirkung, die Bücher und das Erzählen von Geschichten auf die Menschen haben können. Herzerwärmend, aber frei von Kitsch, skurril, spannend. Schön!

Mehr Informationen zum Buch gibt es hierLeseprobe

‚Liebe mit zwei Unbekannten‘ von Antoine Laurain

3df2141ad3Eine Liebesgeschichte mit einem ungewöhnlichen Aufhänger und sympathischen Figuren – charmant, manchmal überraschend, aber für mich kein Buch, das mich nachhaltig begeistert.

Hier gibt es Genaueres zum Buch und hier gibt es einen Bericht des SWR2.

‚Der Junge, der mit den Piranhas schwamm‘ von David Almond

36872„Eine Frage: Wie würde es euch gefallen, wenn jemand aus eurer Familie – euer Onkel Ernie zum Beispiel – euer Zuhause in eine Fischfabrik verwandeln würde?“
Stanley Potts sieht nur eine Lösung: Abhauen. Und auf dem Jahrmarkt neu anfangen. ‚Der Junge, der mit den Piranhas schwamm‘ ist ein sehr schönes Kinderbuch über Mut und Vertrauen – in sich und in andere. David Almond erzählt Stanleys Geschichte mit feinem Humor, Oliver Jeffers Illustrationen machen ein rundum gelungenes Buch daraus.
Hier könnt ihr einen Blick hineinwerfen.

‚Das Mädchen mit dem Haifischherz‘ von Jenni Fagan

„Hart Im Nehmen sollten die Leserinnen und Leser sein – denn nur dann dringt durch diese drastische Sprache eine höchst intelligente, verletzliche und doch starke Heldin durch, die alles daran setzt, in einem gnadenlosen System Autonomie zu erlangen.“, schreibt Tina Rausch im ‚Eselsohr‘, und ich stimme ihr zu. Manchmal ist diese Widersprüchlichkeit kaum auszuhalten, doch genau das macht für mich die Qualität des Buches aus – die Zerrissenheit von Anais, ihre Not, ihr Stolz, ihre Trauer und ihre Sehnsucht – all das lässt Jenni Fagan spürbar werden. Ein starkes Romandebüt – diese Autorin werde ich auf jeden Fall im Auge behalten! Mehr Informationen und Leseprobe.

‚Anders‘ von Andreas Steinhöfel

AndersIch bin sowieso ein großer Fan von Andreas Steinhöfel, aber dieses Buch finde ich schlicht grandios. Es ist spannend, poetisch, vielschichtig, klug konstruiert, berührend, niemals kitschig, literarisch. Wenn ich mich von allen meinen Aprilbüchern für eines entscheiden müsste – ich würde dieses wählen. Es ist für mich das Jugendbuch des vergangenen Bücherherbstes.

Hier gibt es eine Leseprobe und hier eine Rezension von Tilman Spreckelsen, der sogar das Wort „Meisterwerk“ benutzt. Uiuiui.

‚Altes Land‘ von Dörte Hansen

Altes Land von Doerte Hansen

„Mit scharfem Blick und trockenem Witz erzählt Dörte Hansen von zwei Einzelgängerinnen, die überraschend finden, was sie nie gesucht haben: eine Familie.“, schreibt der Knaus Verlag hier über Dörte Hansens ersten Roman. Die Geschichte der beiden Frauen, jede auf ihre Art ein Flüchtling, jede auf ihre Art besonders und unangepasst, hat mir sehr gut gefallen.
Bei ‚Buzzaldrins Bücher‘ gibt es eine sehr lesenswerte ausführliche Rezension und natürlich gibt es auch eine Leseprobe.

‚Applaus für Bronikowski‘ von Kai Weyand

9783835316041lDer Roman erzählt die Geschichte von Nies, der über dreißig, aber trotzdem noch nicht so richtig erwachsen ist. Wenn er nicht mehr weiter weiß, wirft er Eier oder Tomaten gegen die gegenüberliegende Hauswand. Und weil man ja von irgendetwas leben muss, heuert er in einem Bestattungsinstitut an. Nies lässt den Leser an seinen Gedanken zu den Lebenden und den Toten teilhaben, und seine Ideen sind bisweilen absurd. Eine nachdenkliche und gleichzeitig schwarzhumorige Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat. Wer mehr über ‚Applaus für Bronikowski‘ lesen will, dem empfehle ich diese Rezension auf ‚Literaturen‘.

‚Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen‘ von Sohyun Jung

imageDas letzte Buch, das ich im April beendet habe, war eine Graphic Novel. Die kleine, feine Geschichte um die Koreanerin Hana und ihre Sehnsucht nach Kimchi habe ich hier schon vorgestellt.

 

 

Wie war euer Lektüremonat April? Gab es eine tolle Entdeckung oder wart ihr richtig enttäuscht von einem Titel? Und liegt vielleicht eines meiner Aprilbücher auch bei euch auf dem Stapel?

 

10 Antworten

  1. Ui, ganz schön erfolgreicher Monat. Glückwunsch! Ich hänge an einem fest, drum ist es nur das im April: Quasikristalle von Eva Menasse. Eigentlich finde ich es ganz gut, vor allem wird es mit jedem Kapitel besser, weiß nicht, warum ich so lange brauche.
    Es geht um Xane – eigentlich. Tatsächlich wird pro Kapitel aus Sicht einer anderen Person erzählt, die mit ihr zu tun hat. So bekommt man mit, wie sie als Jugendliche als junge Frau, als Mutter, als Chefin, als alte Frau auf die Leute um sie rum wirkt.
    Meine Unilektüre rechne ich mal nicht mit, weil Pflicht. Da waren allerdings sehr gute Sachen dabei :) Ich glaube, ich guck mir Anders mal an, wenn es dir so gut gefallen hat. Ein Jugendbuch wäre auch mal wieder interessant. Danke für die Infos! Das rettet mich aus dem Bücherdschungel!

  2. Manchmal kommt man irgendwie schnell voran und manchmal langsam. Ich lese gerade sehr langsam ‚Wunderlich fährt nach Norden‘ von Marion Brasch, das mir auch immer besser gefällt – und trotzdem dauert es irgendwie. Aber es muss ja eigentlich auch nicht schnell gehen. Obwohl, wenn ich mir meinen stetig wachsenden Wunschzettel und meine Stapel ungelesener Bücher anschaue, kommt doch ein wenig Zeitdruck auf…
    Von Eva Menasse habe ich bisher nur ‚Vienna‘ gelesen, das hat mir ziemlich gut gefallen. Die ‚Quasikristalle‘ sollen aber auch noch drankommen.
    Zum ‚Anders‘ kann ich nur dringend raten; es ist wirklich toll! Ich denke, dass du es mögen wirst.
    Es freut mich, wenn ich eine kleine Schneise in den Bücherdschungel schlagen konnte!

    • Aaaach, mittlerweile gefällt mir Quasikristalle gar nicht mehr so gut. Die Darstellung ist mir letztlich zu konstruiert gewesen und die Hauptfigur, wenn man sie aufgrund der Erzähleigenheiten so nennen kann, hat die ganze Zeit nicht beim Interesse geweckt (Typ erfolgreiche, smarte, hübsche Super-Karrierefrau-Mutter-Ehefrau). Hatte den Eindruck, dass die Aussage, dass jeder durch andere Augen unterschiedlich wirkt, das einzige ist, worauf die Erzählung hinausläuft und das ist mir zu wenig. Also weg damit… Aber ich bin durch.
      Als nächstes: Wolf Haas: Brennerova. 1. Kapitel – Toll! Mal sehen ob ich meine Meinung am Schluss wieder ändern muss. :)
      Da sein Film Der Knochenmann aber auch schon total nach meinem Geschmack war, bin ich überaus zuversichtlich. Hiermit also jetzt schon die Empfehlung meinerseits. Ich wünsch dir einen tollen Sonnentag!

      • Das ist ja schade, dass die ‚Quasikristalle‘ für dich nicht halten konnten, was sie anfangs versprachen. Wenn man nur schon vorher die „zwingenden“ Bücher von den anderen unterscheiden könnte! Aber dann würde man auch keine Entdeckungen mehr machen. Auch blöd.
        Von Wolf Haas wirst du bestimmt nicht enttäuscht, hoffe ich jedenfalls. ‚Brennerova‘ habe ich noch nicht gelesen, aber ‚Das Wetter vor 15 Jahren‘ fand ich grandios, ebenso die Filme ‚Silentium‘ und ‚Komm, süßer Tod‘. Wo ich so drüber nachdenke, einen Haas-Roman könnte ich auch mal wieder lesen…
        Vergiss mir nur den ‚Anders‘ nicht!

        Liebste Grüße.

    • Liebe Kerstin,
      ich kann dir nur schwer dazu raten. Ein sehr beeindruckendes Buch. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, aber… Trotzdem.
      Bin gespannt, ob du auch so angetan bist.

      Liebe Grüße! Malu

    • Liebe Bini,

      danke für deinen Besuch und deinen netten Kommentar! Hat mich gefreut.

      Liebe Grüße, Malu

  3. „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ habe nun auch endlich gelesen, aber tatsächlich habe ich mich da mehr „durchgequält“. Mich konnten die Figuren überhaupt nicht reizen und zwar fand ich den Clou der Geschichte ganz gut, aber irgendwie wollte ich das Buch häufiger liegen lassen als in die Hand nehmen. Nicht ganz mein Geschmack, aber andere hat es mit dem Buch ja auch voll erwischt. (:

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