Außer Ostern: Indiebookday 2016

Indiebookday 2016
„Es gibt viele kleine tolle Verlage, die mit viel Herzblut und Leidenschaft schöne Bücher machen. Aber nicht immer finden die Bücher ihren Weg zu den Lesern. Der Indiebookday kann da für ein bisschen Aufmerksamkeit sorgen.“

 

So wird das Anliegen des Indiebookdays auf der Homepage beschrieben. Diese Initiative zum „Feiertag des unabhängigen Verlegens“ wurden vom mairisch Verlag begründet und ist allmählich auch international bekannt geworden: Letztes Jahr gab es unter anderem auch Beiträge aus Polen, Frankreich, Österreich und den Niederlanden. Und damit der Indiebookday immer bekannter wird und die Aufmerksamkeit für besondere Bücher aus kleinen, unabhängigen Verlagen immer größer, geht es in diesem Jahr munter weiter.

Wie funktioniert das denn aber nun?

Sonja Graus, die ihr vielleicht von ihrem Literaturblog lust zu lesen oder von ihrem ganz neuen sketchnotesblog kennt, hat das besser und kürzer in einem Doodle erläutert, als ich es mit Worten je könnte. Ihre Sketchnote darf ich hier verwenden (Danke, Sonja!), um euch zu zeigen, was ihr tun könnt, um den Indiebookday zu zelebrieren:

Doodle Indiebookday © Sonja Graus

© Sonja Graus 2016

Eine sehr umfangreiche Liste mit unabhängigen Verlagen in Deutschland findet ihr hier (wenn ihr weit nach unten scrollt, auch für Österreich und die Schweiz) auf dem Hotlistblog. Der Hotlistblog ist sowieso eine sehr lohnenswerte Seite, um sich zu den Indies zu informieren.

Ideen für den Indiebookday

Seit Tagen, eigentlich schon seit der Leipziger Buchmesse, suche ich immer wieder nach lohnenswerten Titeln, um meinen Einkaufszettel für morgen zu füllen. Als ob das nötig wäre: Meine Liste ist sowieso schon so lang. Zu lang. Also, äh, gravierend zu lang.
Aber gibt es etwas Schöneres, als nach neuen Büchern und potenziellen Kandidaten für Lektüretrüffel zu suchen? Kaum, wenn ihr mich fragt. Deshalb will auch ich nicht mit meinen Ideen hinter dem Berg halten und euch wenigstens ein paar Bücher vorschlagen, die morgen in euren Buchbeutel wandern könnten.

Franziska Gerstenberg – So lange her, schon gar nicht mehr wahr

Gerstenberg_SoLangeHerPuuh. Zu diesem Buch sollte man nicht greifen, wenn man eh schon einen schlechten Tag hat. Eher, wenn man sich gewappnet fühlt, sich mit den Fallstricken des Alltagslebens auseinanderzusetzen. Dann wird man aber reich belohnt. Franziska Gerstenberg schafft es mit ihrer Erzählweise, die immer schmerzhaft nah der Perspektive der Protagonisten ist, die Atmosphäre erlebbar, die Nöte der Figuren fühlbar zu machen. Lange habe ich nicht so mitgelitten und mich gewunden – mit den Figuren und ihren hilflosen & erfolglosen Versuchen, mit sich, dem Leben und den anderen Menschen klarzukommen. Wie die Autorin das macht, ist einfach fantastisch und zeigt, was Sprache kann: Zwischendurch möchte ich mir die Augen zuhalten wie bei den gruseligen oder peinlichen Stellen im Kino. Geht aber nicht, dann kann ich nämlich nicht weiterlesen. Und das will ich. Stück für Stück, Erzählung für Erzählung, mit Lektürepausen, in denen ich mich völlig anderen Texten widme. Aber wenn ich dann wieder zu diesem Kurzgeschichtenband zurückkehre, bin ich immer wieder aufs Neue beeindruckt.
Mehr Informationen und Leseprobe auf der Verlagsseite von Schöffling & Co.

Lot Vekemans – Ein Brautkleid aus Warschau

LotVekemans_Brautkleid

Zu diesem Debüt der als Theaterautorin bekannt gewordenen Niederländerin schreibe ich noch ausführlicher in der nächsten Zeit. Ich habe Lot Vekemans auf der Leipziger Buchmesse getroffen und mit ihr über die Entstehung dieses Buchs als Roman (eigentlich sollte es ein Theaterstück werden), die Figuren, Erzählperspektiven und lauter andere Dinge gesprochen.
Ich schlage vor: Ihr lest derweil schon mal das Buch, und wenn ich das Interview fertig abgetippt habe, tauschen wir uns aus. Deal?
Wieso ihr das lesen sollt? Also gut, in aller Kürze: Weil es um nichts Geringeres geht als um die Frage, welche Entscheidungen des Einzelnen sich wie auf das Leben der Menschen drumherum auswirken. Lot Vekemans erzählt die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven und zeigt virtuos, wie die Schicksale der einzelnen Figuren miteinander verknüpft sind. Und wieso gut gemeint nicht zwingend gut ist. Und dass jeder einzelne Mensch ganz schön viel im Gepäck hat, von dem er gar nicht weiß, dass es da ist – als blinder Passagier mit auf der Reise durch das eigene Leben, sozusagen.
Beim Wallstein Verlag findet ihr mehr zum Inhalt und könnt ins Buch reinlesen.

Sylvain Mazas – Dieses Buch sollte mir gestatten, den Konflikt in Nah-Ost zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden  / Teil 1

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Ja, diese Buch aus dem Hause Mückenschwein heißt wirklich so. Sylvain Mazas forsch nach Parametern. Gleich auf der ersten Seite macht der Autor klar, worum es ihm geht:

„Glücklich sein ist das Ziel meines Lebens. Ich weiß es, weil ich einen Plan gemacht habe.“

Dieser Plan in Gestalt einer ausufernden Mindmap wird den Lesern nicht vorenthalten; er liegt dem Buch bei. Mit diesem Graphic-Novel-Reisetagebuch kann man die Suche nach dem individuellen Glück, aber auch nach Ansätzen zur Glücksfindung für die Menschheit an sich mitverfolgen – und sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Humorvoll und nachdenklich, mit einem besonderen Blick auf die Welt. Inzwischen gibt es einen zweiten Teil, der schon den Weg auf meinen Wunschzettel gefunden hat. Und ich hoffe, ehrlich gesagt, auf einen dritten: Mich würde nämlich sehr interessieren, wie Sylvain Mazas die aktuelle Weltlage sieht. Für eine ordnende Mindmap wäre ich da sehr dankbar. Hier mehr zum Buch

Wäre mein Klavier doch ein Pferd. Erzählungen aus den Niederlanden.

Wäre mein Klavier doch ein PferdDen Abschluss dieser Vorstellungsrunde macht eine gerade erschienene Anthologie aus der edition fünf. Sie versammelt Erzählungen niederländischer Autorinnen aus den letzten rund hundert Jahren und ist damit ganz wunderbar geeignet, um sich – zumindest für die eine Hälfte – auf den diesjährigen Ehrengast der Buchmesse, Flandern/die Niederlande, einzustimmen. Von Annie M. G. Schmidt über Margriet de Moor bis Maartje Wortel sind spannende Autorinnen versammelt, die „[…] die Grenze zwischen dem Ich und der Außenwelt aus[loten] und fragen, wo die Wahrung des Eigenen in Intoleranz mündet“ (Klappentext). Ich stehe noch am Anfang der Lektüre, empfehle den Band aber bereits jetzt, da ich einige Werke der versammelten Autorinnen bereits kenne & schätze und mir sicher bin, dass diese 15 Nahaufnahmen lohnenswert sind – und die Anthologie ein tolles verlegerisches Projekt ist. Details

So, ich hoffe, dass euch dieser Beitrag für den Indiebookday begeistern kann und ihr viele tolle Sachen entdeckt, auf die ihr ohne diesen Indie-Feiertag und die mediale Rundumbegleitung vielleicht nicht gestoßen wäret. Fündig werdet ihr bei Twitter, auf Facebook, Instagram und Co. – teilt eure Funde unter dem Hashtag #indiebookday.
Habt ihr schon Favoriten? Schreibt ihr auch was zum Indiebookday? Ich freue mich auf eure Kommentare und verlinke euch gern in der Liste unten.


Ich nehme mir jetzt mal ein Beispiel an Mara von Buzzaldrins Bücher und verlinke-linke-linke. Verschiedene aktuelle Beiträge zum Indiebookday findet ihr unter anderem hier:

54books – Buchvorstelllungen
Bibliothecaro – über den Indiebookday / binooki Verlag
binooki Verlag – Beitrag zum Indiebookday
Buchkolumne – Zehn Buchempfehlungen 
Buecherrausch – Buchvorschläge
Buzzaldrins Bücher – Verlags- und Wunschliste
danares.mag – Digitales zum Indiebookday
Herzpotenzial – Kurzvorstellung ausgewählte Verlage
lustauflesen.de – Buchvorstellungen
Miss Booknerd – Lektürevorschläge
Pinkfisch – Video mit Leseempfehlungen 

Wortgestalt – Indies im Bereich Kriminalliteratur
Zeichen und Zeiten – Besprechung ‚Winternovellen‘ anlässlich Indiebookday 

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