‚Kilifü‘ – Almanach der Kinderliteratur

Kilifü
Wie? Was? Wer?

„Kili…was?“ war meine erste Reaktion, als ich zum ersten Mal von dieser Publikation hörte. Dabei habe ich Kinder- und Jugendliteratur als Studienschwerpunkt gehabt, interessiere mich nach wie vor sehr für diesen Bereich der Literatur und habe relativ viel mit Menschen zu tun, die sich da ziemlich gut auskennen – trotzdem hatte ich bis zu Beginn meiner Arbeit im Buchladen noch nie vom ‚Kilifü‘ gehört. Und weil ich finde, dass dieses Heft eine tolle Sache ist und vielleicht noch ein bisschen bekannter werden kann, will ich es heute mal vorstellen. Deshalb habe ich mich am Rande der Frankfurter Buchmesse mit einer der Macher*innen, Sandra Rudel, getroffen. Sie ist Buchhändlerin bei schmitz Junior und realisiert das Heft gemeinsam mit Thomas Schmitz, Geschäftsführer von schmitz. Die Buchhandlung und Dirk Uhlenbrock vom Grafikdesignbüro erste Liga sowie wechselnden Gastautor*innen.

Orientierung im Dschungel der Neuerscheinungen

Der Name ‚Kilifü‘ steht für Kinderliteraturführer. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit den Titeln der Kinder- & Jugendliteraturproduktion eines Jahres und versteht sich als „Empfehlungsschreiben“, als eine Art Kompass, der in der Unmenge an Neuerscheinungen Orientierung bieten möchte. Der Almanach umfasst etwa 300 Buchempfehlungen zu aktuellen Titeln – alle von den Macher*innen ausgewählt, gelesen und für gut befunden. Dabei nehmen die Empfehlungen auf alle möglichen Altersstufen und Interessengebiete Bezug: Leseempfehlungen für Kleine, Mittlere und Große, aus dem Bereich Sachbuch, zum Vorlesen und als Hörbuch – da kann für die gesamte Leserschaft (und die, die es noch werden will) das Passende gefunden werden.

Die Idee

Ein Heft mit Empfehlungen zu machen für die Kunden und Leser, und zwar für die, die noch am Anfang ihrer „Lesekarriere“ stehen – diesen Wunsch hegten die Buchhändler*innen bei Schmitz schon sehr lange. „Die erste Inspiration war vor vielen Jahren das Magazin der englischen Buchhandlung Waterstone“, erzählt mir Sandra Rudel, die beim ‚Kilifü‘ für den redaktionellen Bereich verantwortlich ist. „So ein Heft zu machen, mit selbst zusammengestellten Empfehlungen für unsere Leser, das ist einfach toll und macht viel Spaß – und viel Arbeit.“ Aber die gute Resonanz, auf die das Empfehlungsheft stößt, gibt den Herausgebern recht: Schon die zweite Auflage im Jahr 2013 erreichte eine Auflagenhöhe von 50.000 Stück.

Wer nutzt den Kilifü und wie?

„Das ist ganz unterschiedlich“, sagt Sandra Rudel, „da sind einmal die Eltern, die schauen, was sie ihren Kindern zu lesen geben können, dann gibt es die Lehrer*innen und Erzieher*innen, die auf Ideensuche sind. Dazu kommen die Buchhandlungen, bei denen Kinder- und Jugendbuch vielleicht kein Schwerpunkt ist und die sich so Anregungen holen, was sie sich in den Laden stellen können. Das Gleiche gilt für die Bibliotheken. Und nicht zuletzt lesen den ‚Kilifü‘ auch Kinder, die dann ankreuzen, welche Bücher sie sich wünschen.“
Ich persönlich schätze an diesem sorgsam zusammengestellten Almanach, dass hier die verschiedensten Bücher Raum bekommen. Titel aus großen, bekannten Verlagen – so sie denn nach Einschätzung des Teams als empfehlenswert gelten – stehen neben Büchern, die man ohne den ‚Kilifü‘ vielleicht nicht so leicht entdeckt hätte, weil sie in kleinen Verlagen erscheinen oder kaum beworben werden. Zu allen Büchern gibt es eine kurze Inhaltsangabe und eine Begründung dafür, wieso sie empfehlenswert sind. Dazu gibt es Interviews, zum Beispiel mit Illustratoren, und kurze Artikel. Den Hauptteil nehmen aber klar die Empfehlungen ein. Ich lese und empfehle gerne Kinder- und Jugendliteratur, und bisher habe ich mich in meiner Auswahl immer auf bestimmte Verlage, die Nominierungen für den Jugendliteraturpreis und Empfehlungen anderer verlassen. Damit bin ich ganz gut gefahren – aber jetzt kommt mit dem ‚Kilifü‘ noch eine Empfehlungsinstanz hinzu, die ich bestimmt öfter zurate ziehen werde. Auch für meine Arbeit in der Buchhandlung, schließlich ist es unmöglich, alles selbst zu lesen.

Wie kommt man an den ‚Kilifü‘?

Der Kinderliteraturführer wird in erster Linie über den Buchhandel vertrieben – also am besten beim Buchhändler des Vertrauens nachfragen. Sollte der ‚Kilifü‘ dort nicht vorrätig sein, kann die Buchhandlung ihn über den Großhändler bestellen. Alternativ kann man ihn auch hier zum Preis von 7,90 Euro zzgl. Versand ordern.
Der ‚Kilifü 2015/2016‘ erscheint am 6. November dieses Jahres, und um einen Eindruck zu bekommen – einfach mal die verschiedenen Leseproben und den Blog anschauen. Dort findet ihr auch Informationen zum neuen Magazin, das als Ergänzung zum ‚Kilifü‘ konzipiert ist. Es rückt verstärkt Akteure der Buchbranche und die oft vernachlässigten, „alten“ Backlisttitel in den Vordergrund. Auch spannend und lesenswert!

Lieben Dank noch mal an Sandra Rudel für das nette Gespräch!

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